Interview: DONOTS


25 Jahre DONOTS und passend zum Jubiläum ein brandneues deutschsprachiges Album  - 

"Lauter als Bomben" erschien am 12.01.2018 über ihr eigenes Label: Solitary Man Records

 

Ich erinnere mich sehr gut an die Zeit als ich 14, vielleicht 15 Jahre alt war und blauäugig auf das Konzert meiner damaligen Lieblingsband DONOTS ging. Von "Moshpits" hatte ich bis dahin noch nicht gehört - was das aber bedeut, lernte ich an diesem Abend sehr schnell.
Und siehe da: Noch immer gibt die fünfköpfige Alternative Rock/ Pop-Punk Band auf ihren Shows richtig Gas. Und das wird sicher auf der kommenden Tour nicht anders. (Infos dazu findet ihr unterhalb des Interviews)

 

Mit Beginn ihrer Ausrichtung auf deutschsprachige Musik 2014/2015 weht ein frisches Windchen um Ingo, Guido, Alex, Eike und Jan Donot. Was genau sich verändert hat, verrät uns Ingo mit vielen, feuchten Küssen im Interview.

 

Ihr seid mutig und erfindet Eure Musik regelmäßig neu… Hast Du oder habt Ihr manchmal Sorge, dass es nicht passen könnte und zu riskant ist? 

 

Ingo Donot: Ehrlich gesagt wäre unsere Sorge viel größer, dass wir uns wiederholen könnten. Ich finde nichts schlimmer als Stagnation. Musik sollte sich immer weiterentwickeln, Synapsen neu durchkneten und bestenfalls auch für Reibung sorgen. Und dann wiederum vertraue ich aber auch darauf, dass wir DONOTS mittlerweile so sehr unsere Trademarks haben, dass wir uns Experimente durchaus erlauben können, ohne damit unseren Sound komplett zu zerstören. Wir fünf werden wahrscheinlich immer irgendwie in unserem eigenen Kosmos spielen und dabei lediglich Grenzen jedesmal neu ausloten.

 

Was hat sich verändert seit ihr euch auf deutschsprachige Musik fokussiert? 

 

Ingo Donot: Ich glaube, der Wechsel zur deutschen Sprache hat uns nochmal unbefangener und selbstsicherer gemacht, dass das, was wir da machen, am Ende schon ein DONOTS Album wird. Alles ist erlaubt, wir schließen keine Riffideen kategorisch aus, nur weil die eventuell „zu weit draußen“ sein könnten. Wir haben uns früher glaube ich viel mehr in Klang-Korsette gezwängt, um irgendeinem Bild zu entsprechen. Die deutsche Sprache ist darüber hinaus ganz grundsätzlich schon mal vielsilbiger, weshalb die neuen DONOTS Songs auch viel mehr nach Dauerfeuer und Stakkato klingen. Das hat glaube ich auch sehr viele Knoten platzen lassen, wieder straighter und nach vorne gelehnt zu schreiben.

 

Das neue Album wird den Titel „Lauter als Bomben“ tragen, verrätst du mir, was es damit auf sich hat? 

 

Ingo Donot: Wir hatten eine ganz Zeit lang überlegt, das Album „Geschichten Vom Boden“ zu nennen, nach dem Titel des Album Openers. Dann haben wir uns aber kurzfristig entschieden, dem Album diesen durchaus plakativen Titel zu geben, weil dies auch plakative Zeiten sind. Und wenn Leute wie der Wahnsinnige im Oval Office in 140 Zeichen und Großbuchstaben konservativen Mist twittern, dann halten wir gerne dagegen mit einem Albumtitel, der vielleicht linkspopulistisch anmuten mag. „Lauter Als Bomben“ findet man in zwei Songtexten auf dem Album, in seiner negativen und der positiven Konnotation. Zum einen beschreibt das Bild die kriegstreiberische, rechtspopulistische Kakophonie der Politiker derzeit, zum anderen die friedliche aber entschlossene Haltung dagegen: „Nein, unsere Köpfe könnt Ihr niemals haben, weil unsere Herzen lauter als Bomben schlagen!“…

 

Wie schwer/einfach ist es als Musiker ein politisches Statement so zu kommunizieren, dass es ankommt? 

 

Ingo Donot: Ich habe früher sehr viel größeren Respekt davor gehabt, in 3:30 Minuten ein umfassendes politisches Statement zu formulieren, weil man entweder komplexe Themen zu sehr vereinfacht oder eben auch sehr schnell zu platt und dumpf daherkommt. Mittlerweile habe ich da aber ein größeres Selbstverständnis, dass wir in gewisser Weise auch die Verantwortung haben, Kids an soziale oder politische Themen heranzuführen, wenn das ansonsten kaum wer macht. Ich finde es großartig, dass Musik ein Türöffner sein kann und Leute auf mehreren Ebenen erreicht. Und wie gesagt: Dann bin ich heutzutage auch gerne in gewisser Weise linkspopulistisch, wenn ich dadurch ein positives, friedvolles und vor allem klares Statement liefern kann, welches zumindest schon mal für eine Diskussion sorgt.

 

Gibt es einen Track darauf, der Dir/Euch besonders am Herzen liegt? 

 

Ingo Donot: Momentan lieben wir alle, auch nach dem ersten Live-Test, „Gegenwindsurfen“. Der Song ist fluffig und flink, wie so’n Angora Kaninchen. Und außerdem singt unser lieber Freund Jan Windmeier von Turbostaat mit. Besser geht’s kaum!

 

Wie man hört wird es auch noch eine Live-DVD geben?

 

Ingo Donot: Genau, in der Deluxe Fan Box und der limitierten CD-Version ist ein Mitschnitt des 1000sten DONOTS Konzerts aus der ausverkauften Halle Münsterland dabei. Das war ein uuuuunfassbarer Abend. 6500 Leute, die komplett durchgedreht sind, tolle Gäste wie die Antilopen Gang, Broilers oder Nicki Müller. Und in der Tat so fantastisch in Szene gesetzt von Ingo Schmoll und seinen Kameramännern, dass wir selbst hier und da immer noch Gänsehaut beim Anschauen bekommen.

 

Ihr seid ja die absoluten Festivalgranaten, ich kann mich gut an das Highfield Festival 2015 erinnern, als Du Ingo auf einem aufblasbaren Riesen-Penis durch die Menge gecrowdsurft bist…

 

Ingo Donot: Vielen Dank für die Blumen! Und oje, der Penis… Was Bier und Gin Tonic alles mit einem machen… :-) Aber hey - jede Show sollte immer mit dem Sportsgeist angegangen werden, dass es die beste aller Zeiten werden muss. Das darf niemals Routine werden. Deshalb schauen wir auch immer sehr, dass wir uns nicht wiederholen und eben den Moment regieren lassen.

 

Wie oft gehst du heimlich ins Fitnessstudio, um auf den Touren so abgehen zu können? 

 

Ingo Donot: Ich gehe, kein Scheiss, jeden Tag joggen, auch auf Tour. 10 bis 14 Kilometer. Seitdem reicht die Luft auf der Bühne für Singen UND Trinken.

 

Sehen wir uns zu einem live Interview am 21.03. in Hamburg?

 

Ingo Donot: Wenn es sich zeitlich einrichten lässt, freu ich mich sehr darauf, klar!

 

Vielen Dank, dass Du unsere Fragen beantwortest, wir freuen uns sehr ins neue Album reinzuhören und werden auf jeden Fall abchecken, ob Eure Bühnenshow immer noch so geil ist... 

 

Ingo Donot: Herzlichen Dank für das Interview und viel Spaß beim Hören der Platte! 

 

Bourbon Sound sendet Küsse an die Donots x 

 

Ingo Donot: Und Küsse zurück, feuchte, viele…


DONOTS – LAUTER ALS BOMBEN TOUR 2018

präsentiert von: Kein Bock Auf Nazis, VISIONS Magazin, OX Fanzine & livegigs.de

 

20.02. DE- Saarbrücken - Garage   

21.02. DE - Bremen - Schlachthof     

22.02. DE - Hannover - Capitol

23.02. DE - Berlin - Huxleys

24.02. DE - Rostock - MAU Club

06.03. DE - Dresden - Schlachthof

07.03. AT - Wien - WUK     

08.03. DE - München - Tonhalle     

09.03. DE - Karlsruhe - Substage     

10.03. CH - Zürich - Dynamo

20.03. DE - Dortmund - FZW

21.03. DE - Hamburg - Grosse Freiheit

22.03. DE - Köln - Ewerk     

23.03. DE - Erlangen - Ewerk

24.03. DE - Wiesbaden - Schlachthof

15.12. DE - Münster - MCC Halle Münsterland

Booking: KKT.

 

Ticketshttps://donots.merchcowboy.com/tickets.html

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Kommentare: 3
  • #1

    Simone (Sonntag, 14 Januar 2018 12:52)

    Ich mach hier mal den Anfang :D
    Lauter als Bomben ist soooo ein nices Album!!!!

    "Ingo Donot: Wir hatten eine ganz Zeit lang überlegt, das Album „Geschichten Vom Boden“ zu nennen, nach dem Titel des Album Openers. Dann haben wir uns aber kurzfristig entschieden, dem Album diesen durchaus plakativen Titel zu geben, weil dies auch plakative Zeiten sind. Und wenn Leute wie der Wahnsinnige im Oval Office in 140 Zeichen und Großbuchstaben konservativen Mist twittern, dann halten wir gerne dagegen mit einem Albumtitel, der vielleicht linkspopulistisch anmuten mag. „Lauter Als Bomben“ findet man in zwei Songtexten auf dem Album, in seiner negativen und der positiven Konnotation. Zum einen beschreibt das Bild die kriegstreiberische, rechtspopulistische Kakophonie der Politiker derzeit, zum anderen die friedliche aber entschlossene Haltung dagegen: „Nein, unsere Köpfe könnt Ihr niemals haben, weil unsere Herzen lauter als Bomben schlagen!“… "

    Wie gut ist das denn??



  • #2

    Jan (Sonntag, 14 Januar 2018 13:34)

    @Lena hast du das Interview gemacht?

    Ich finde, dass die früher bessere Musik gemacht haben. Ich hab das Gefühl deutschsprachige Musik ist jetzt einfach trendy und alle müssen aufspringen, Donots, Beatsteaks... zum Kotzen.

  • #3

    Lena Bettag (Sonntag, 14 Januar 2018 19:23)

    @Simone - Finde ich auch, ihre Botschaften sollten wirklich mal mehr Menschen zum nachdenken anregen!

    @Jan - Hi Jan, ja genau das war ich! Gut, dass du das sagst - glatt vergessen das dazu zu schreiben.
    Ich kann deine Einstellung auf jeden Fall nachvollziehen, allerdings finde ich, dass sich dein Argument eher auf den Deutsch-Pop Hype übertragen lässt. Ich finde ansonsten eher auffällig, dass ganz viele deutsche Punk/Rock Bands englische Musik machen, um vielleicht international bekannter zu werden. Eigentlich kann man mit der deutschen Sprache lyrisch sehr schön spielen.
    Um auf die DONOTS zurückzukommen: Hör doch mal rein in die Platte und achte auf die Lyriks und Hintergrundgedanken, die durch das fast schon poetische Wort-Zusammenspiel, übermittelt werden. Vielleicht sehe ich das ja auch nur so, aber ich finde, dass die Kombination mit der Musik sehr passend ist.
    Abgesehen davon entwickelt sich eine Band ja auch immer weiter...

    Ich würd mich freuen nochmal von dir zu hören!

    x Lena
    Bourbon Sound - Team