Ein Bourbon mit... Lea Porcelain


Am 09. August ist Lea Porcelain's neue EP "Love Is Not An Empire"  rausgekommen. Fünf großartige Songs, so anders als alles, was ihr vorher gehört habt. Melancholisch, euphorisch, tiefgründig und auf der Suche.
Zum Song I Am Ok, gibt's bald mehr von uns.

 

Die Songs:

1. Love Is Not An Empire
2. I am Ok

3. Smile In The Air
4. Clock Of Time
5. Till The End

 

Wir haben Markus und Julien vor ihrer Show in Hamburg getroffen und ein bisschen gequatscht.

 

Julien: Wie findet ihr Markus‘ Haare?

 

Blond.

(Alle lachen)

 

Markus: Ich hatte gestern Abend nochmal die großartige Idee, die blond zu machen. Alle sind voll dagegen.

 

Also keine Wette verloren?

 

Markus: Nö, also gestern Abend irgendwie langweilig gewesen.

 Wir kamen aus Dresden und wir haben alle zusammen gekocht und ich dachte mir mal was anderes! Cheers.

 

(Alle stoßen an)

 

Ihr seid ja jetzt auch schon wieder ein bisschen auf Tour, wie ist‘s?

 

Markus: Es macht Spaß!

Wir waren ja lange in Spanien, haben eigentlich mehr Musik gemacht irgendwie und aufgenommen und gar nicht so viel live gespielt. Die ersten drei Monate haben wir gar nicht geprobt und kein Konzert gespielt und dann haben wir in Spanien wieder so angefangen in den letzten beiden Wochen und dann haben wir in Berlin nochmal geprobt - aber so live spielen ist schon nochmal was anderes. Weil man da so reinkommen muss, deswegen sind wir erstmal in die Schweiz gefahren, haben die ersten drei Konzerte da gespielt. Und dann München war geil, Wiesbaden, dann Dresden und jetzt kommen so unsere Lieblingsstädte: so Hamburg, Köln, Münster - waren wir noch nie - ist auch nicht unsere Lieblingsstadt...

 

Julien: Ne!

 

Markus: Und dann Berlin.

 

Wart ihr nur zum Musik aufnehmen in Spanien?

 

Markus: Ja, wir wollten irgendwie ein zweites Album schreiben und es hat sich nicht so angefühlt, als ob wir es in Berlin irgendwie können. Da muss man sich schon so ein bisschen von loslösen. Unser ehemaliger Bassist hat mir so ein Buch geschenkt von Jeff Buckley - und der ist auch so: er muss ein zweites Album schreiben und verlässt dann New York um nach Memphis zu gehen, wo er dann auch im Endeffekt ertrunken ist, was ja ein bisschen blöd war. Und der hat aber auch so geschrieben, dass es einfach super wichtig ist, um irgendwie in einen anderen Modus zu kommen und sein ganzes Routine Ding zu verlassen. Das haben wir ja beim ersten Album eigentlich auch gemacht.

 

Julien: Wir haben ja auch schon angefangen in Rio. Damit haben wir eigentlich angefangen mit der Idee. Nach der Deutschlandtour letztes Jahr waren wir drei Wochen in Rio und da haben wir eigentlich angefangen mit ganz neuen Sachen. Und dann haben wir gesagt, um die Songs mehr so fertig zu machen...

 

Markus: Wir haben eigentlich genau zwölf Monate gebraucht. Schon krass.

 

 Voll cool!

 

Markus: Ja, es ist weird.

 

Ich hab auch diese Journey-Videos von euch gesehen aus Rio.

 

Julien: Jaaa, haben wir leider nicht mehr weiter gemacht, weil es irgendwie so, wir so unsicher waren. Wir gehen das vielleicht mit der Kampagne vom zweiten Album nochmal an.

 Schon geil. Wir waren uns aber auch unsicher, wie viel wir von uns so zeigen sollten, weil das schon sehr privat wurde auf einmal. Wenn man sich dann so die ganze Zeit da sieht wie wir in der Küche rum stehen…

 Es war schon interessant und Fans finden das schon auch geil. Aber...

 

Markus: Ich würde es nochmal machen. Aber in Berlin so ist es ein bisschen komisch, weil da sind wir halt nur wir. In Rio hatten wir halt super viel Spaß, sind nach Ipanema gegangen und da hat es so angefangen mit dem Album und es sieht zwar so aus: wir gehen nach Rio, wir gehen nach Spanien, aber eigentlich gehen wir immer nur an Orte, wo wir nicht so viele Leute kennen. Und das macht schon den Unterscheid irgendwie.

 

Wahrscheinlich cool so aus der Alltagssituation rauszukommen...

 

Markus: Ja auf jeden Fall! Das erste Album ist auch ein bisschen so entstanden. Da hat der Julien noch Techno gemacht und ich war … irgendwo. Aber beim ersten Mal war es auch bisschen so, dass wir so unseren Alltag verlassen haben. Und dann mal zusammen in Berlin aufgenommen haben oder dann in Offenbach, wo Julien das Studio hatte. Und da war das schon auch irgendwie so eine Situation, wo wir den Alltag so ein bisschen verlassen haben. Ich hab die Uni auch sausen lassen und dann sind nach London gezogen. Und irgendwie hat es sich jetzt so zusammen gefügt. Und wir sind wieder in Deutschland.

 

Eure erste Single vom neuen Album, die ihr rausgebracht habt „I Am Ok“ ist mega geil.

 

Julien: (freudig) Ja? Wir haben echt krasses Feedback drauf bekommen...

Wir hatten so eine Radiopremiere in Seattle auf Kexp und da den Song gespielt und der hat uns schon per Email geschrieben, dass sei sein favourite Song des Jahres. Und das ist der Typ, der die Morningshow macht und so einer der wichtigen DJs dort. Und der hat den dann gespielt mit so einer richtig geilen Ansage. Und dann war der Song fertig und er hat gesagt: „The song is gonna safe lives“ und es direkt nochmal gespielt, so John Peel mäßig. Und dann kamen da auch so kranke Reaktionen, dass irgendwelche Leute Emails an die Radiostation geschrieben haben und irgendwie so eine Frau, die so krasse Depressionen hat seit Jahren hat dann geschrieben, dass dieser Song sie so aus so einem Tief rausgeholt hat und ihr mega viel bedeutet. Und sowas kam jetzt schon ein paar Mal. Und das ist echt krass.

 

Die Mischung aus diesem Tieferen, Melancholischen, aber irgendwie doch Positiven macht’s.

 

Julien: Ja, es macht halt so tief, es gibt irgendwie Hoffnung, es ist nicht billig oder flach, aber ist trotzdem irgendwie positiv.

 

Irgendwie ist der Song auch anders als alles, was ihr vorher gemacht habt.

 

Julien: Ist er auch! Alles ist anders. Also das zweite Album wird auch komplett anders.

 

Ihr seid ja international ganz schön unterwegs, habt Leeds & Reading schon gespielt - Traum. Habt Alt-J promotet und wart ja auch bei dem Management von denen.

 

Markus: Wir waren ja, aber das war nicht mehr so schön, weil wir ja in London gelebt haben und da war das so in Ordnung, aber diese Distanz (zu Berlin jetzt) war schon… aber wir wollen unserem Management schon sehr nah sein. Jetzt sind wir gewechselt und zu einem Berliner Management, zwei ganz Junge - Bruder und Schwester - und die treffen wir jede Woche und reden mit denen und schmieden Pläne und das macht schon viel mehr Sinn. Da geht viel mehr an Brainstorming und so, wie wenn man auch bei einem Großen ist, der einen da so reinholt in so Sachen - aber im Endeffekt geht es doch darum, was denkt der kleine Kreis und was kann man sich ausmalen, was klingt denn dann cool, wenn man es dann rausbringt. Das macht schon mehr Sinn auf jeden Fall.

 

Ist halt auch cool, wenn es viel persönlicher ist. So ein Song ist ja etwas sehr persönliches…

 

 

Julien: Wir haben jetzt echt ein gutes Team.

 

Markus: Als der Song für das Album rauskam, waren wir gerade in Neapel und mit Apparat auf Tour und es war halt geil, weil wir gerade vor diesem Theater standen, wo wir die erste Show mit denen spielen und dann kam diese Songveröffentlichung und wir waren total high. Also von dem Song. Und es war schon irgendwie ein geiles Gefühl, weil wir jetzt auch befreundet sind mit Sascha und so und er auch unsere Musik in einen Kinofilm packt von ihm und seiner Frau. Das ist schon ein ziemlich schönes Gefühl.

 

Julien: Moderat, Apparat kennt ihr, oder?

 

 Ja.

 

Markus: Wir sind direkt von Spanien rüber mit der ganzen Band und dem Hund den wir mitgenommen haben.

 

Oh mein Gott!

 

Markus: (Lacht) Ja. Und sind dann in Italien zu drei Konzerten und dann nach Berlin und haben für die Tour geprobt.

 

Wie heißt der Hund?

 

Markus: Mega süß!

 

Julien: Heißt Leo.

 

Markus: Leo Porcelain. Wir können ihn nicht mitnehmen, weil der Bus zu voll ist. Der ist mega süß. Der hat heute Morgen neben mir geschlafen.

 

Ihr habt ja schon so viel gemacht und erlebt, habt ihr irgendwas auf eurer Band-Bucket List, was ihr unbedingt noch machen wollt?

 

Julien: Ja, einiges!

 

Markus: Das Übliche: 750.000 Platten verkaufen, Coachella spielen, sich bei der Grammy Verleihung daneben benehmen, das war’s eigentlich. Diese drei Sachen, genau in der Reihenfolge (lacht).

 

Julien: Wir wollen es einfach schaffen, dass aus Deutschland, mal wieder so wie Moderat, ne nächste Band, die kommt, die international einfach…

 

Markus: angesehen ist…

 

Julien: und bestehen bleibt und nicht so ein Ding da rausknallt und dann wieder weg sind, sondern sich sowas Langsames aufbauen und dann …

 

Da seid ihr ja jetzt auch auf dem Weg, oder?

 

Julien: Ja. Auf jeden Fall.

 

Ich habe anfangs immer gedacht, ihr kämt aus Groß Britannien.

 

Julien: Das denken viele, weil wir auch aus London raus so gestartet sind.

 

Markus: Wir sind aber mit dem Umzug nach Berlin auch immer mehr europäischer geworden.

 

Julien: Obwohl jetzt auch mehr Deutschland und Amerika so die Hauptmärkte sind. Also Amerika ist gerade ziemlich gut. Radiomäßig auch.

 

Habt ihr da auch schon gespielt?

 

Julien: Ne, wir haben noch nie in Amerika gespielt. Aber das steht auf jeden Fall auch auf der Liste. Wir haben da einige, die uns krass unterstützen. Auch so Zane Lowe von Beats 1.

 

Markus: Kexp auf jeden Fall. Das Label in Los Angeles will auch, dass wir da spielen. Ist halt sehr teuer. Also du machst es entweder illegal - also ich hab einmal in New York ein Konzert gespielt und das ist halt voll unter der Hand gewesen, so mit Schleife um die Gitarre gewickelt und gesagt das ist ein Geschenk und so, das kann man eigentlich nicht machen. Das machen auch viele Bands, aber wenn man erwischt wird, darf man da zehn Jahre nicht mehr spielen.

 

Es ist nachts halb eins auf der Autobahn, ihr sitzt in eurem Van - was hört ihr?

 

Julien: Gerade Robert Lippok glaube ich, den Song „All Objects Are Moving”

Markus: Weil der unser Vorprogramm für Berlin war, der ist cool. Aber momentan eigentlich eher diese Chemnitzerin Perel, die bei DFA (Records) von LCD Soundsystem ist, das Label hat die rausgebracht. Die ist aber eigentlich eher in dieser Âme Crew von Frank Wiedemann und das hören wir eigentlich auch die ganze Zeit. Die hätten wir auch als Vorband haben können! Mit der haben wir auf einem Festival gespielt von Frank Wiedemann und RY X letzten Sommer.

 

Julien: Die ist mega cool, mit der wollen wir unbedingt mal was machen.

 

Polizeikontrolle erster Mai, wer hat am meisten gezittert?

 

Julien: Keiner eigentlich.

 

Markus: Julien hat einfach mal auf vier Behindertenparkplätzen geparkt, weil er dachte das wäre eine gute, Idee, dass Riccardo - unser Vorprogramm, der Brasilianer - dass der schnell zu Burger King kommt, weil er immer ne Diva ist. Dann hat er kein Führerschein gehabt, dann kam ich mit Riccardo zurück, dann hieß es: Ich bin gefahren, weil ich n Führerschein hatte und ich dann „Mhm ich war’s“. Und dann hat der Polizist erstmal so ein bisschen… dann haben wir halt Strafen bekommen, die bezahlt und jetzt followt der Polizist uns bei Facebook. (Lachen) Er hat uns heute geschrieben: „Schöne Grüße von der Thüringer Polizei, der Autobahnpolizei“ - ja war schon geil (lacht).

Aber das war eigentlich wegen nichts. Das war nur wegen Falschparken.

 

Gute Geschichte (lacht). Das war’s auch schon von meiner Seite, vielen Dank, dass ihr euch die Zeit genommen habt!

 

Julien: Ja cool!

 

Markus: Gerne, danke euch!

 

(Riccardo vom Vorprogramm kommt rein)

Markus in die Runde: Do you want some White Wine?


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