On The Rocks


Konzert-Reviews, Observationen, Neu-Entdeckungen und Berichte. 

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Tash Sultana

Konzert, Berlin

Wenn ungeheure Leidenschaft auf eine Wahnsinns Stimme trifft und der Rhythmus der Beats aus Reggae, HipHop, Rock und Pop so richtig einschlägt, wenn 3500 Menschen alles um sich vergessen und sich von der Musik treiben lassen, dann kann man sich sicher sein, man ist auf einem Konzert von Tash Sultana.

 

Die 22-jährige Australierin ist Inspiration und Heldin vieler junger Menschen geworden. Wer sagt es gäbe den amerikanischen, in diesem Fall australischen, Traum nicht, sollte mal das Leben von Tash Sultana betrachten. Die Vollblutmusikerin kommt aus dem Nichts direkt an die Spitze der australischen Charts und ist schon heute, nach nur kurzer Zeit auf offiziellen Bühnen, weltweit die ganz große Nummer.

Reife, ein gesundes Menschenbild, Humor und eine ungeheure Ausstrahlung von Gelassenheit, Coolness und Liebe machen Tash zu der Künstlerin, die die Welt zu brauchen scheint.

 

Der Securitymensch, der mich auf ihrem bisher größten Konzert in Berlin in den Graben lässt, damit ich ein paar Schnapsschüsse von Tash Sultana aufnehmen kann, fragt mich nach ihrer Musik: „Was ist das denn für ein Genre? Was macht sie genau?“. Eine Antwort darauf hab ich keine. Das einzige was mir dazu einfällt ist, dass sie einfach genau das macht, worauf sie Bock hat. Und es funktioniert. Einfach weil es berührt, weil es echt ist, weil sie es fühlt und weil es fernab von allem gewöhnlichen Schubladendenken ist. 

Tash Sultana und ihre Musik sind nicht sortierbar und das muss sie auch nicht sein. Indie, HipHop, Blues, Rock, Pop, elektronische Elemente, Reggaebeats, Alternative, alles verschwimmt zu einem Brei fantastischer Interpretationen. Und das ganze wird geloopt. Tash Sultana ist die wohl beste One-Woman-Band, die die Welt bisher gesehen hat.
Mein Herz schlug hoch, als ich auf ihrem Konzert im Graben stand. Ich konnte es einfach nicht erwarten sie endlich live und in ihrem Element explodieren zu sehen.
Der Securitymensch tanzt als ich den Graben verlasse, um mich unter die jubelnde Menge zu mischen. Er bestätigt, dass er jetzt nach den ersten 15min genau weiß, was ich vorher meinte. Er ist Fan. Ich bin Fan. Meine Freunde sind Fans. Die Masse tobt und liebt sich. Ja sie liebt sich, alle sind freundlich zueinander, alle nehmen Rücksicht. Die Atmosphäre im Tempodrom glüht vor Nächstenliebe - vor Liebe zur Musik und Liebe zur Freiheit. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich denken, dass Tash MDMA in die Nebelmaschinen geworfen haben könnte.
Es ist wunderschön zu sehen, hören und zu fühlen, dass Kunst, dass Musik noch dieses Gefühl ganz ohne Drogen und großes TamTam hervorrufen kann.

 

Ich hoffe, dass sie dem ganzen Druck und dem riesen Publikum, dem ewigen Touren, von zuhause weg sein und der Tatsache, dass sie nun mal von sehr vielen Menschen als Inspiration betrachtet wird und ständig auf ihre nicht allzu schöne Vergangenheit angesprochen wird, gewachsen ist. Wir alle haben dieses Bild von ihr und ich kann mir vorstellen, dass das für einen jungen Menschen nicht immer so einfach ist. Aber es geht mich auch nichts an. Es geht niemanden was an. Solange sie fröhlich, leidenschaftlich auf der Bühne steht, Barfuß auf ihrem Teppich und umgeben von ihren 14? Instrumenten und das macht, was sie liebt und wie SIE es liebt, werde ich sie weiter bewundern.

 

Hört rein in Tash Sultana’s Songs, ich verspreche, dass es euch gefällt.
Und wenn nicht könnt ihr mir gerne hier auf Bourbon Sound einen bösen Kommentar hinterlassen, oder eine Schimpftirade an lena@bourbon-sound.com schicken. Das Kontaktformular geht wahlweise auch. Oder Facebook.
Für Zuspruch, Lob oder konstruktive Kritik bin ich ebenfalls immer offen, lasst mich wissen, was Ihr denkt liebe Bourbon Soundler.

 

 

Eure Lena 

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Kommentare: 8
  • #1

    D (Samstag, 02 Dezember 2017 20:04)

    TAAAAAAAAAAAAAASH

  • #2

    Mona (Mittwoch, 06 Dezember 2017 22:44)

    Top!

  • #3

    Sarsha (Donnerstag, 07 Dezember 2017 19:40)

    I can't read it :((( but the shots are fantastic

  • #4

    Mick (Mittwoch, 17 Januar 2018 10:22)

    I love Tash, can't believe she is already famous in Europe...
    Remember when I had a chat with you about Tash - that's like at least 2 years ago. Still a rippa that girl...

  • #5

    Greg (Canada) (Sonntag, 21 Januar 2018 23:45)

    Love the Photos!

  • #6

    Laura (Montag, 22 Januar 2018 14:37)

    Ich schließe mich Greg an! Geht ihr mit Bourbon Sound jetzt im Frühling? wieder auf ein Konzert von ihr? Ich gehe nach Köln! Es wäre so so cool, wenn ihr ein Interview machen würdet. Ich hätte da eine Frage, die ich Tash unbedingt stellen möchte hihih.

  • #7

    Terrie Mcnamara (Mittwoch, 14 Februar 2018 17:54)

    Wish I could read the article, but the shots are phenomenal. Very excited that her career is taking flight!

  • #8

    Wendy chappell (Montag, 02 April 2018 12:48)

    Can’t read German however these shots are amazing. I’m a little older 55. More of her music. Less war in the world. Xo

Will and the People & Native Young

Konzert, Hamburg

Ich mag die Prinzenbar in Hamburg. Die Atmosphäre wenn man den Laden betritt ist einzigartig. Die Einrichtung und das ganze Design des Raumes erinnern an ein altes Schloss, irgendwie ein bisschen kirchlich, mit Stuck an den Wänden, Statuen und einem riesigen antik-wirkenden Spiegel über der Bar, verschiedenen balkonähnlichen Ebenen und hohen Decken. Die Leute sind nett, das Ambiente romantisch und familiär - aber um die Location geht’s hier eigentlich gar.

 

Am 11. Juli fand in der Prinzenbar die Akustik Show der Band „Will and the People“ statt. Unsicher, ob ich es bei diesem Hamburger Regenwetter überhaupt wagen sollte das Haus verlassen, hab ich mich schlussendlich doch aufraffen können.

 

Den Anfang des Konzertes machte eine ethnisch sehr gemischte Band „Native Young“, ebenfalls in Akustik Formation. Heute, eine Woche später bin ich immer noch sprachlos.


Nichtsahnend stand ich mit meinem Kumpel und unseren Getränken auf einer der erhöhten Ebenen und wartete darauf, dass das Konzert beginnen würde. Wie in Zeitlupe bauten die zwei Jungs von Native Young ihr Equipment auf und machten Soundcheck. Keine Ahnung ob dieses Herauszögern Teil ihres „Zuschauer-Flash“- Rituals ist, aber es hat funktioniert.
Nach gefühlten Stunden fangen die beiden endlich an zu spielen. Der Beat pocht elektronisch und ziemlich strange durch den mit Menschengefüllten Raum. Ich will gerade einen Schluck aus meinem Glas nehmen, als ich den Klang von Yannick’s Stimme höre. Ich verschlucke mich beinahe und mir bleibt zunächst der Mund offen stehen.
Zu ihren Akustik-Gitarren und dem simplen Beat treffen sich die Stimmen der beiden Native Young Mitglieder auf einer so harmonischen Ebene, dass ich in dem schlossähnlichen Raum kurz wirklich denke im Himmel zu sein. Zwischen Alt-Js typischen mehrstimmigen Gesang und dem poppigen Grundbeats von Milky Chance, kreieren diese Jungs einen so einzigartig guten Sound der die Vibes von Südafrika direkt auf die Reeperbahn trägt.
Simple Lyriks, simple Beats, fantastische Gitarren und wirklich so wahnsinnige Stimmen und ineinandergreifende Klänge, dass man denken könnte auf der Bühne stehen mindestens fünf Personen anstatt zwei. Smooth, soft und ein wahrer Bourbon Sound.

 

Mit richtigem Bourbon Sound haben auch Will and the People das Publikum beschüttet. Ich hab die Band bis dato noch nie live gesehen und kenne ihre Musik nur in der experimentellen und vollinstrumentalisierten Form. Aber was die vier Briten in ihrer Akustik Show geliefert haben wird mit voller Montur wohl kaum zu schlagen sein.

Akustischer Reggae Off-Beat trifft auf Rock, Rock fusioniert mit psychedelischen Indie Rhythmen und diese wiederum treffen auf vier Stimmen, die auch A cappella einiges reißen könnten. Frontmann Wills Stimme erinnert an die klassisch-quäkige Jamaica-Reggae Stimme gekreuzt mit einer ordentlichen Dosis der eines Rock-Singer-Songwriters.
Ein akustischer Molotowcocktail der Musikstile und mit ihren Lyriks und einer ordentlichen Portion Humor ein absolutes Live-Erlebnis.
Himmel, bin ich froh aus dem Haus gegangen zu sein um mir das anzuhören.
Will and the People sind allerdings nicht nur eine verdammt gute und abwechslungsreiche Band, die man fairer Weise nicht in die Genreschublade schieben sollte, sondern ihre Mitglieder samt dem Team sind grundsympathische Menschen mit einer ordentlichen Portion Selbstironie und lockerem Humor.

 

Also, falls ihr irgendwie die Chance habt Will and the People live zu sehen würde ich euch empfehlen das zu tun.
Beschwerdebriefe falls ihr es doch bereuen solltet könnt ihr mir dann gerne an lena@bourbon-sound.com schicken. Danksagungen und Freudensbriefe oder so aber auch.

 

Schaut euch die Fotos vom Konzert an und lasst mich wissen was ihr denkt. 

 

 

Prost,
eure Lena 

 

 

P.S. Danke Emma van Brouwershaven für diese großartigen Bilder! 

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Kommentare: 1
  • #1

    Eva Heinrich (Donnerstag, 20 Juli 2017 02:24)

    Hi Lena,
    ich hab die Band letzte Woche in Berlin gesehen und fands auch richtig schön!
    Coole neue Rubrik! Conny hat mir vor ein paar Wochen dein Mag gezeigt, weiter so, die Musikauswahl ist echt gut.
    Viele Grüße,
    Eva